Die Max-Planck-Gesellschaft fand heraus, dass beim Afrikanischen Grillkuckuck ein Geschlechterrollentausch vorliegt. Bei dieser Kuckuckart gibt es fürsorgliche Männchen und wetteifernde Weibchen. Das ist sehr ungewöhnlich, denn bei den meisten Tierarten wird die Brutpflege vom Weibchen geleistet, während das Männchen Revier und Ressourcen verteidigt. Bei den Vögeln ist dieses Verhalten sogar einzigartig, keine andere bekannte Vogelart hat ihre Geschlechterrollen komplett vertauscht wie der Grillkuckuck. Aber was hat diese Info mit dem heimischen Grillen zu tun? Die Antwort: Auch beim Grillen stößt man auf eine Rollenverteilung. Ob Stereotype, klischeebelastet oder vielleicht doch kulturell-historisch bedingt, soll hier geklärt werden.
Männer grillen, Frauen servieren Beilagen?
Die Grillsaison ist eröffnet, und neben der Frage, WAS auf den Grill kommt, stellt sich auch die Frage, WER eigentlich vor dem Grill steht. Lifestyle-Blogs wie Urban&Me haben darauf eine klare Antwort: Beide Geschlechter stehen gerne am Grill. Das Grillen wird gerne als fleischlastige Männerdomäne dargestellt, aber im Sommer grillt doch jeder gerne – und Fleisch ist nicht das Einzige, das man grillen kann. Eine Umfrage der Spectra Marktforschungsgesellschaft fand heraus, dass zumindest in österreichischen Haushalten in 54% der Fällen der Mann vor dem Grill steht, ein geschlechterabwechselndes Grillen findet nur in 24% der Fälle statt. Ferner gaben 57% der Frauen an, jemand anderen beim gemeinsamen BBQ grillen zu lassen. Der Mann grillt demnach sein Fleisch am Grill, während die Frau in der Küche den Salat zubereitet… doch wie kommt es zu dieser Rollenverteilung?
Ein Blick zurück
Diese Form der Rollenverteilung ist, in Anlehnung an Claude Lévi-Strauss, strukturalistisch und geht auf die Geschlechterzuschreibung im Europa des 19. Jahrhunderts zurück. In dieser Zeit war der Mann für die Außenwirkung im öffentlichen Bereich verantwortlich; waren also Gäste geladen, kümmerte sich der Mann um die Versorgung, im privaten Bereich war dann die Frau für die Bewirtung verantwortlich.
Blickt man allerdings noch weiter in die Menschheitsgeschichte zurück, stößt man auch beim Grillen auf eine Art des Geschlechterrollentauschs. Die Feuerstelle war ursprünglich der weibliche Habitus, während der Mann mit dem Jagen und Sammeln beschäftigt war. Achtet man heute auf die Konnotationen, ist ein prasselndes Feuer doch eher männlich, während eine ausgiebige Shoppingtour, eine Schnäppchenjagd eben, eher weiblich ist.
Bevor wir uns jetzt aber weiter in einen Dualismus verrennen, sagen wir ganz klar: Die stereotypische Rollenverteilung beim Grillen (und auch anderswo) gibt es nicht. Sie mag vielleicht noch in einigen Köpfen vorherrschen, die Wirklichkeit sieht aber ganz anders aus. Und das ist auch gut so, schließlich sind wir keine Vögel, zum Kuckuck!
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Bildquelle Titelbild: Katharina Wieland Müller / pixelio.de

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