Zwar riecht jeder Mensch unterschiedlich, doch nicht wenige helfen der eigenen „Duftmarke“ auf die Sprünge. Zum Beispiel durch ein tolles Parfüm. Doch ist Parfüm wirklich gleich Parfüm? Nicht wirklich, vielmehr wird dieser Begriff synonym für viele Duftwasser verwendet. Drogerien, Online-Händler und Fachgeschäfte bieten zudem Eau de Toilette, Rasierwasser und Eau de Cologne in schön verzierten Flakons an. Doch letztendlich ist die Bezeichnung völlig egal, schließlich geht es um einen angenehmen Duft. Gerüche und Duftstoffe inspirieren die Sinne und wecken Erinnerungen an bestimmte Menschen und Situationen – so hat jede Person einen eigenen Lieblingsduft. Und ständig kommen neue Kreationen hinzu. Die Herstellung von Parfüm und Co. ist eine Wissenschaft für sich.

Das Geschäft heißt Parfümerie, Duft-Designer nennen sich Parfümeure und die Flüssigkeit? Meistens spricht man auch dort von einem Parfum. Der Begriff wird synonym für alles verwendet, was flüssig ist, sich aufsprühen lässt und gut reicht. Doch längst nicht alles, was aus der Parfümerie kommt, ist auch wirklich Parfüm! Die wirkliche Unterscheidung richtet sich nach dem Gehalt an Duftölen; oder anders ausgedrückt, nach der Stärke. Und diese Duftölanteile finden sich in den verschiedenen Produktgruppen

  • Eau de Cologne: 3 – 5 Prozent
  • Eau de Toilette: bis 12 %
  • Parfüm: 15 – 30 %

Eau de Parfum hat einen variablen Anteil an Duftölen, der meistens zwischen dem von Eau de Cologne und Parfüm liegt. Etwas außerhalb dieser Klassifizierung liegt After Shave, da dies nicht immer einen Duft hat. Vielmehr handelt es sich um ein Pflegeprodukt, dass die Haut nach dem Bartschneiden desinfiziert und so zu einer schonenden Rasur beiträgt. Doch um eine angenehme Duftnote zu versprühen, ist auch After Shave meistens mit Duftölen angereichert.

Natürliche Inhaltsstoffe haben Priorität

Etwas vereinfacht gesagt: Je teurer ein Duftprodukt, desto höher ist der Anteil an natürlichen Rohstoffen. Entscheidend ist, wie kostspielig das „Parfüm“ am Ende sein darf. Und hier gehen die Meinungen deutlich auseinander: Manche Menschen halten hohe zwei- oder gar dreistellige Beträge für einen Duft für maßlos übertrieben, andere greifen gerne tiefer in die Tasche. Das ist durchaus verständlich, denn Gerüche betören die Sinne und stimulieren das Erinnerungsvermögen. Zudem sind sie die perfekte Ergänzung zu einem modischen Outfit. Ein sommerlicher Zitrus-Duft beispielsweise passt ideal zu einem modischen Blumenkleid.

Und diese Inhaltsstoffe stecken in vielen Duftwässerchen:

  • Nelke
  • Moschus
  • Sandelholz
  • Zimt
  • Patchouli
  • Lavendelöl
  • Vanille
  • Zitrus-Früchte

Wie ist der Duft eines Parfüms eigentlich aufgebaut?

Ein Parfüm setzt sich normalerweise aus ca. 150-200 einzelnen Essenzen zusammen, die in verschiedene Duftnoten aufgeteilt werden.

Eine klassische Duftkomposition basiert auf der Duftpyramide, denn ein Parfüm besteht meistens aus einer Kopfnote, einer Herznote und einer Basisnote, die harmonisch aufeinander abgestimmt werden. Die Kopfnote wird immer zuerst wahrgenommen und ist der Geruch, der unmittelbar nach dem Aufsprühen wahrgenommen wird. Hier kommen oftmals Riechstoffe wie Zitrus oder Minze vor, also eine eher erfrischende Duftnote. Die Herznote kommt dann hervor, wenn die Kopfnote des Parfüms verflogen ist und ist meistens sehr harmonisierend und wärmend. Die Basisnote ist das Fundament des Duftes, rundet den Duft ab und kann bis zu 24 Stunden haften und erhalten bleiben.

Es gibt ebenso Duftfamilien, in die sich die verschiedenen Duft-Richtungen kategorisieren lassen. Das ist auch oftmals für uns Verbraucher sinnvoll, wenn man ein bestimmtes Parfüm beispielsweise in der Drogerie sucht und man sich mit den Fachleuten aufgrund der Duftfamilien besser verständigen kann.

„Supercomputer Geruchssinn“

Der menschliche Geruchssinn gleicht einem Supercomputer. Bisher gingen Forscher davon aus, dass die Nase rund 10.000 verschiedene Duftstoffe unterscheiden kann1. Doch neuere Studien sprechen von ganz anderen, astronomisch anmutenden Größenordnungen. Einige Wissenschaftler vermuten nämlich, dass das Geruchssystem zwischen einer Billion Düften differenzieren kann2. Man darf also davon ausgehen, dass Parfümeuren die Arbeit allzu schnell nicht ausgehen dürfe. Die Duftproduktion funktioniert übrigens erst einmal nach dem Prinzip „Probieren geht über Studieren“. Hersteller testen die verschiedensten Kombinationen und analysieren diese im Labor. Ist die richtige Mischung gefunden, folgten weitere Tests in Gaschromatograph und Massenspektrometer.

Diese technischen Feinheiten hatten die alten Ägypter vor rund 5.000 Jahren noch nicht zur Verfügung. Das hinderte sie aber nicht daran, schon damals edle Düfte zu kreieren. Hierzu sammelten sie Pflanzen und Früchte an den Ufern des Nils und verarbeiteten Sie zu Duftwassern, die schon seinerzeit die Sinne der Nutzer verzückten und Erinnerungen wachriefen.

Referenzen

  • Strutz J, Mann W. Praxis der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie. 3., unveränderte Auflage, Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart, 2017, Seite 79
  • Wolfsberger F. Mensch nimmt eine Billion Düfte wahr. Spektrum, Veröffentlichungsdatum: 20.03.2014, Abrufdatum: 09.07.2020